Heute ist ein besonderer Tag, heute vor 20 Jahren, also am 1. August 1998, begann ich meine Ausbildung im Fotohandel, bei meinem heutigen Arbeitgeber.

Aber lasst mich von Anfang an erzählen…

Zur Fotografie bin ich über meinen Vater gekommen, mit seiner alten Canon AE-1 Programm lernte ich das Fotografieren, da war ich 7-8 Jahre alt. Als es später in der Schule darum ging ein Praktikum zu machen, war mir klar ich möchte es als Fotograf machen. Aber in unserer kleinen Stadt Ennigerloh und Umgebung gab es dazu keine Möglichkeit, also machte ich es im Fotohandel und stellte für mich fest, dass Menschen fotografieren keinen Spaß macht. Was geblieben ist, war der Spaß an der Fotografie und der Technik. Also wollte ich meine Ausbildung im Fotohandel machen. In meinem Praktikumsbetrieb erfuhr ich von der Fotoschule in Kiel und für mich stand schnell fest, dass ich dort zur Berufsschule gehen wollte.

Mit diesem Wissen bewarb ich mich bei Foto Pötter, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erzählte von meinem „Traum“ nach Kiel zu gehen. Damit schien ich gepunktet zu haben und begann heute vor 20 Jahren meine Ausbildung in Oelde und fuhr schon im Herbst das erste Mal für 8 Wochen zur Berufsschule nach Kiel. Ich war damals 16 und damit der Jüngste in unserer Klasse. Als einer von 4 Jungs unter 20 Mädchen fühlte ich mich wohl und ich genoss die Zeit dort oben sehr, Kiel wurde meine zweite Heimat. Auch heute noch denke ich gerne daran zurück.

Es war die Zeit als noch klassisch auf Film fotografiert wurde, der „neue“ APS Film war in aller Munde und die Canon Ixus der absolute Renner.

Zum Ende meiner Ausbildung ging es dann langsam mit der digitalen Fotografie los, ich erinnere mich zum Beispiel an die Sony Mavica, die die Fotos auf einer 3,5″ Diskette speicherte. Danach gab es ein Modell mit CD. Aber richtig interessant wurde es dann als Olympus Kameras mit einer Smart Media Speicherkarte raus brachte. Auf den 2MB Karten konnte man schon einige der 1,3 Megapixel Bilder speichern. Unser liebstes Zubehörprodukt dazu war der Diskettenadapter, mit dem man die Bilder relativ einfach auf den Computer übertragen konnte. Es folgten Kameras wie die Olympus C2000 zu der wir passende Vorsatzlinsen verkauft haben.

Sony brachte eine Kamera mit einem riesigen schwenkbaren Objektiv, aber mit toller Bildqualität, Zeiss sei Dank. Diese Partnerschaft besteht übrigens noch heute.

Unsere erste digitale Passkamera war die Olympus E-100RS und die Fotos druckten wir auf dem passendem Thermosublimationsdrucker, auch diese Technik gibt es noch heute.

Richtig ernstzunehmen wurde die digitale Fotografie mit der Vorstellung der ersten bezahlbaren Spiegelreflexkamera, der Canon EOS 300D.

Nach meiner Ausbildung blieb ich noch ein Jahr in Oelde, dann war es an der Zeit nicht weiter der Auszubildende zu sein. Ich ging für zwei Jahre nach Coesfeld, ebenfalls in ein kleines Fotofachgeschäft.

Im Weihnachtsgeschäft bekam ich einen Anruf aus Oelde, ob ich nicht zurück in die alte Heimat wollte, verbunden mit einem Jobangebot im Großhandel für Fotozubehör. Gesagt getan, im Januar begann ich einen Bürojob und verkaufte am Telefon Akkus, Ladegeräte und mehr an Fotohändler und Fachmärkte. Bald viel mir aber die Decke auf den Kopf und ich sagte meinem Chef, dass ich so nicht glücklich werde. Er bot mir an, 2-3 mal die Woche in den Außendienst zu gehen. Also fuhr ich kreuz und quer durch NRW und besuchte viele unserer Kunden, dies machte ich so erfolgreich dass ich bald das Büro ganz hinter mir lassen konnte und mein eigenes Gebiet im Außendienst bekam. Die Freiheit war anfangs toll, aber nach ein paar Jahren machte auch dies mich nicht glücklich, da ich die meiste Zeit des Tages alleine im Auto verbrachte und nicht beim Kunden. Ich wollte wieder an die Front!

Also schreib ich 3-4 Bewerbungen und landete in einem Elektrofachmarkt, zuerst im PC Bereich und später bei der braunen Ware (Fernseher, Steroanlagen, usw.), natürlich verlor ich die Kameras nicht aus den Augen. Ich wurde Abteilungsverantwortlicher und die Arbeit machte auch meistens Spaß. Einzig die unendlich langen Arbeitszeiten und der Druck der auf die Verkäufer ausgeübt wurde, haben mich immer wieder dazu veranlasst durch die Stellenanzeigen zu blättern. Es verging einige Zeit, bis ich über eine Stellenausschreibung meines Ausbildungsbetriebs gestolpert bin.

Ich schrieb allerdings keine Bewerbung, sondern fuhr an meinem freien Tag einfach mal in Oelde vorbei. Ich hatte in der Zeit nach meiner Ausbildung immer wieder Kontakt zu den Pötters und wir sind damals auch im Guten auseinander gegangen, also wurde ich von Herrn Pötter auch bei meinem unangekündigten Spontanbesuch freundlich begrüßt. Ich fragte nach der Stellenanzeige und wir saßen wenig später bereits zusammen am Tisch um die Details zu besprechen. Ein neuer Filialleiter für Beckum wurde gesucht, die Stelle wurde aus Altersgründen frei. Nach einem zweiten Gesprächstermin wurden wir uns einig und ich kehrte zu meinen Wurzeln zurück.

Am 1. August 2011 begann ich meine Einarbeitung und ein paar Tage später übernahm ich das Geschäft in Beckum.

Hier habe ich seit 7 Jahren quasi alle Freiheiten, am und im Geschäft hat sich viel getan und man erkennt es kaum wieder. Seit etwa 4 Jahren schmeiße ich zusätzlich zum Laden auch unser Fotostudio und ich muss sagen, dass es mir unglaublich Spaß macht, Kinder und Familien zu Fotografieren. Von der damaligen Abneigung Menschen zu fotografieren keine Spur mehr.

So dass ich heute stolz auf 20 Jahre in der Fotobranche zurück schauen kann und diesen langen Beitrag schreiben konnte. Die Branche hat sich sehr gewandelt, viele kleine Geschäfte mussten schließen. Fotohändler in kleinen Städten haben es nicht leicht und überleben nur durch viel Ergeiz und neue Ideen. Wohin uns die Zukunft bringt weiß niemand, aber ich möchte der Fotografie treu bleiben.